Angeln in der Mitte der Gesellschaft

 

Deutschland hat schon ein gestörtes Verhältnis zur Natur. Während überall auf der Welt das Fangen von Fischen mit der Angel zur Normalität gehört, müssen wir uns hier im eigenen Land rechtfertigen. Immer häufiger versuchen Naturschutzverbände und leider auch die Politik über Natura 2000, FFH-Richtlinien und Naturschutzverordnungen die Angler von den Gewässern fern zu halten. Dabei sind die schützenswerten Gebiete und die eventuell neu eingewanderten Tierarten vorhanden, weil wir Angler dort waren, und zwar lange bevor es BUND und NABU überhaupt gab. Und jetzt sollen wir die Störenfriede sein?

Über 6 Millionen Deutsche gehen mindestens einmal im Jahr zum Angeln. Angeln ist zeitgemäß, nachhaltig und gesellschaftlich bedeutsam. Angeln steht für Werte wie Lebensqualität, Erholung, Arten- und Biotopschutz, Verbindung von Generationen und Integration verschiedener Bevölkerungsgruppen, für ökologische Bildung und Bewegung an frischer Luft.

Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden für Hege und Pflege der Gewässer und der Fischbestände werden jedes Jahr geleistet. Gewässer werden renaturiert, Laichhabitate werden angelegt und verschwundene Fischarten wieder angesiedelt. Wer soll das denn auffangen? Der Staat mit Steuergeldern? Oder werden das die Naturschutzgruppen übernehmen? Die haben doch keine Ahnung und noch viel weniger Leute, die bereit wären, bei jedem Wetter anzupacken. Angeln und Jagen ist die letzte direkte Form der Naturnutzung und wir haben dafür eine spezielle Ausbildung und legen eine Prüfung als Nachweis unserer Sachkunde ab.

Ein selbst gefangener Fisch erfüllt als Lebensmittel alle Kriterien des modernen Zeitgeistes: er ist artgerecht aufgewachsen, wohlschmeckend, gesund, frisch, regional, klimaneutral und nachhaltig. Zu einem selbst gefangenen Fisch auf dem Teller haben wir einen besonderen Bezug und fühlen eine große Wertschätzung zu diesem Lebensmittel. Wir erklären den Kindern, was in der Natur passiert, wir liefern ihnen eine vernünftige Alternative zu PC und Smartphone. Angelnde Kinder wissen den Unterschied zwischen Fischstäbchen und dem Geschmack eines selbst gefangenen Fisches zu schätzen und sie kennen auch den Kreislauf des Lebens, der nun einmal mit fressen und gefressen werden, mit Geburt, Leben und Tod zu tun hat. Sie haben damit einen realistischen Blick auf die Dinge und lassen sich nicht mit den ideell geprägten und naturfernen Argumenten des modernen Naturschutzes einfangen.

Über 77% der Deutschen leben in Großstädten und haben kaum Berührung mit der Herkunft von Nutztieren und deren Schlachtung. Die Herstellung der Nahrungsmittel ist genauso anomym für sie wie alle Vorgänge in der Natur.  Und das führt zu einer völligen Entfremdung von allem Natürlichen und zu einer ideell geprägten Vorstellung von einer unberührten Natur. Naturnutzer dagegen kennen sich aus und setzen sich für das ein, was sie kennen und nutzen wollen. Und langfristig wird Naturschutz nur so funktionieren, da niemand bereit ist, sich für etwas einzusetzen, das er nicht kennt.

Damit gehört Angeln definitiv in die Mitte unserer Gesellschaft.

Seien Sie freundlich zu Menschen, denen Sie beim Angeln begegnen, erklären Sie den Leuten, was es mit Wasser, Fischen und Angeln auf sich hat, wenn Sie gefragt werden. Wir Angler müssen in der Gesellschaft präsenter werden und vor Allem als freundliche und kompetente Naturschützer und Naturnutzer wahrgenommen werden.

(Information teilweise aus AFZ Fischwaid 1-19)